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Seit August 2025 sichern deutsche Eurofighter die NATO-Südostflanke in Rumänien rund um die Uhr ab. Sie sind Teil der Mission „enhanced Air Policing South”. Was genau spielt sich dort ab?

Wenn der Alarm ertönt, zählt jede Sekunde: Während Techniker der deutschen Luftwaffe den Eurofighter vorbereiten, zieht Oberstleutnant Tenne seinen Fluganzug an. Vor dem Hangar schnallt sich Tenne in den Schleudersitz. Das Cockpit wird verriegelt, und das Bodenpersonal entfernt die letzten Waffensicherungen. Die Triebwerke werden gestartet, der Eurofighter hebt ab. Die Mission beginnt.

Was ist NATO air policing?

Sicherung der NATO-Ostflanke

Egal, ob Übung oder Ernstfall: Auf dem rumänischen Luftwaffenstützpunkt Mihail Kogălniceanu am Schwarzen Meer sind solche Abläufe Alltag. Bei den sogenannten Quick Reaction Alerts (QRA) werden Kampfflugzeuge in Alarmbereitschaft versetzt, um jederzeit auf potenzielle Bedrohungen im Luftraum reagieren zu können.

Seit August 2025 sind fünf Eurofighter und rund 170 Soldaten der deutschen Luftwaffe in Rumänien stationiert. Die meisten von ihnen gehören dem 71. Taktischen Luftgeschwader „Richthofen“ an, das von den Spezialkräften des Objektschutzregiments „Friesland“ unterstützt wird. In enger Zusammenarbeit mit der rumänischen Luftwaffe unterstützen sie dort die NATO-Luftraumüberwachung „enhanced Air Policing South“ (eAPS). „Das Ziel unserer Einheit ist es, die Südostflanke der NATO in der Nähe des Schwarzen Meeres zu schützen”, erklärt Oberstleutnant Tenne, Flugbetriebsleiter (Anm. d. Red.: Alle Namen in diesem Artikel wurden geändert). „Wir müssen sicherstellen, dass alle Luftraumverletzungen identifiziert und geeignete Maßnahmen zur Sicherung des Luftraums ergriffen werden.”

Seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine im Jahr 2022 hat die NATO ihre Ostflanke weiter verstärkt. So sind in Rumänien und in den baltischen Staaten im Norden Eurofighter für Luftüberwachungsmissionen stationiert, um nicht autorisierte Flugzeuge abzufangen. In Litauen haben zum Beispiel spanische Eurofighter einen Kampfjet und ein Tankflugzeug abgefangen, die die EU-Grenze überflogen hatten.

Zudem gefährden immer mehr Drohnen den NATO-Luftraum. Seit Beginn des deutschen Einsatzes in Rumänien haben russische Drohnen mehr als zehn Einsätze – sogenannte „Alpha Scrambles“ – ausgelöst.

Für einen reibungslosen Ablauf

Wie ist es, als Pilot in Alarmbereitschat zu sein?

Auf Missionen wie dieser ist Einsatzbereitschaft das A und O. Deshalb führt das deutsche Kontingent täglich Übungen mit den Verbündeten auf der Luftwaffenbasis durch. „Dadurch stellen wir sicher, dass unsere Präsenz im Luftraum wahrgenommen wird und unsere Piloten jede Situation meistern können“, sagt Oberstleutnant Tenne.

Zwar spielen die Piloten eine zentrale Rolle, doch auch viele andere auf der Basis tragen zum Erfolg der Mission bei. Das weiß niemand besser als Oberleutnant Rebecca, technische Offizierin im Einsatz. „Meine Aufgabe ist es, mich um personelle und materielle Belange zu kümmern“, erklärt sie und fährt fort: „Ich sorge dafür, dass mein Expertenteam über die Arbeitsmittel, die Ausrüstung und die Arbeitsbedingungen verfügt, die es für die hochtechnischen Aufgaben benötigt.“

An Arbeit mangelt es nicht. Das Crew Escape Team ist beispielsweise für die Ausrüstung der Piloten im Cockpit zuständig und bereitet die Anti-g-Anzüge für den Einsatz vor. Unterdessen lotst das Bodenpersonal die Jets aus den Hangars und arbeitet während der QRA-Schichten eng mit den Piloten zusammen. „Wir führen auch Flugbesprechungen mit den Piloten durch”, sagt Oberleutnant Rebecca. „Wir gehen die Mission durch, um zu verstehen, was wir am Boden erledigen müssen, damit der Jet wieder starten kann.“

Der Eurofighter: ein missionskritisches Flugzeug

Eurofighter 2025 Wrap Up - 16:9

Im Mittelpunkt des Einsatzes der deutschen Luftwaffe steht der Eurofighter. Als entscheidendes Instrument der Abschreckung stärkt er die Verteidigungsfähigkeit Europas. „Hier dreht sich alles um Geschwindigkeit“, sagt Oberstleutnant Tenne. „Wir müssen innerhalb weniger Minuten zur Stelle sein, und der Eurofighter ist speziell für diese hochriskanten Missionen ausgelegt.“

Der Eurofighter ist für die Anforderungen moderner Militäroperationen optimiert. „Als Waffensystem kann der Eurofighter mit verschiedenen Sensoren und Munition ausgestattet werden. Damit lässt er sich sehr gut an die Anforderungen der jeweiligen Mission anpassen“, fährt Tenne fort. Darüber hinaus ist das Flugzeug mit anderen Plattformen kompatibel.

„Bei Einsätzen wie der ‚enhanced Air Policing South‘ müssen wir mit verschiedenen Flugzeugen alliierter Streitkräfte zusammenarbeiten, mit denen der Eurofighter kommunizieren und interagieren kann.“

Teamwork ist alles

Was macht diese Mission so besonders?

Bei einem Einsatz wie diesem ist vor allem Teamarbeit gefragt. Alle Funktionen, Abläufe und Plattformen müssen nahtlos ineinandergreifen. „Wir müssen uns aufeinander verlassen können“, fasst es Oberleutnant Rebecca zusammen. „Eine gute Arbeitsbeziehung zu den Kameraden ist zweifellos der wichtigste Faktor. Wir haben hier echte Freundschaften geschlossen, alle ziehen an einem Strang.“ All dies im Zeichen einer starken NATO-Ostflanke und unser aller Sicherheit.

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