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Sicherheit

Startschuss für FCAS-Demonstrator  

Mit der Unterzeichnung des Rahmenvertrags für die erste Demonstratorphase hat das bedeutendste sicherheitspolitische Projekt Europas eine wichtige Hürde genommen. FCAS stärkt Europas Wettbewerbsfähigkeit und strategische Autonomie in Zeiten geopolitischer Unsicherheit.

Die Regierungen Frankreichs und Deutschlands haben im Februar den Rahmenvertrag für die Demonstratorphase 1A des Future Combat Air System (FCAS) unterzeichnet. Der Vertrag hat eine Laufzeit von 18 Monaten und markiert den Einstieg in eine Technologieentwicklung, die bis 2026 zu flugfähigen Demonstratoren führen wird.

In der aktuellen geopolitischen Lage ist FCAS von herausragender strategischer Bedeutung. . Denn um Europas Freiheit, Unabhängigkeit und wirtschaftlichen Wohlstand zu bewahren, müssen heute die Weichen gestellt werden. Europa muss nicht nur wirtschaftlich sondern auch politisch und militärisch stark genug sein; nur so können wir die Souveränität Europas langfristig gewährleisten. FCAS trägt dazu bei.

FCAS Infographic

FCAS stellt Europas Souveränität für die kommenden Jahrzehnte sicher.

System-of-Systems

FCAS ist weit mehr als „nur“ ein Flugzeug. Das Projekt umfasst die Entwicklung von vier Programmbereichen, die für Europas Sicherheit essentiell sind: Ein neues Kampfflugzeugs der nächsten Generation, unbemannte Komponenten, sogenannte Remote Carriers, ein neues Triebwerk sowie eine Combat Cloud, die ein umfassendes Lagebild allen an einer Mission beteiligten Akteuren in Echtzeit zur Verfügung stellt. Die Kombination dieser vier Bausteine macht einen Einsatz im Verbund möglich und schafft somit ein umfassendes „System-of.System“.

 

Vorteile greifen auf gesamte Industrie über

FCAS stellt nicht nur einen Meilenstein in der militärischen Luftfahrt dar. Die zu erwartenden Technologiesprünge werden auch zu positiven Effekten für die zivile Luft- und Raumfahrtindustrie und darüber hinaus führen. FCAS stärkt die europäische Industrie nachhaltig in der gesamten Wertschöpfungskette, einschließlich des Mittelstands. Es ist ein maßgebliches Zukunftsprojekt der europäischen Industrie, an dem bereits jetzt über 100 deutsche Unternehmen Interesse bekundet haben.

 

Europas Souveränität sichern

Der Beitritt Spaniens war ein wichtiger Schritt in Richtung einer weiteren Europäisierung von FCAS. . FCAS ist ein Grundpfeiler der europäischen Sicherheitspolitik und stellt sicher, dass der Kontinent auch in Zukunft seine Souveränität ausrechterhalten kann – industriell, technologisch, strategisch!  

 

Stand: Feb 2020

Mut zur Verteidigung

von Dirk Hoke - CEO Airbus Defence and Space

Die geopolitischen Veränderungen zwingen die europäischen Staaten, ihr Verhältnis zueinander zu überdenken. Um Europas Frieden, Unabhängigkeit, Freiheit und wirtschaftlicher Wohlstand zu bewahren, müssen wir etwas dafür tun. Wir müssen nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch und militärisch stark genug sein, um zu verhindern, dass andere Mächte diktieren, wie wir in Europa leben.

Wir müssen uns also um unsere Verteidigung kümmern, auch, wenn diese Botschaft nicht populär ist. Nach dem Ende des Kalten Krieges haben die europäischen Staaten massiv abgerüstet. Heute fehlt es der Truppe an Personal, Waffensystemen, Ausrüstung. Nur noch 22 Prozent der Deutschen halten die Bundeswehr für ausreichend ausgestattet und einsatzfähig.

Moderne Verteidigungssysteme sind teuer, vor allem, wenn man sie selbst entwickelt, um nicht in Abhängigkeit anderer zu geraten. Die meisten europäischen Länder sind als einzelne Nationen damit überfordert.

Muss es aber wirklich sein, dass jedes Land eigene Waffensysteme entwickelt und beschafft? Braucht wirklich jeder EU-Staat seine eigenen Standardgewehre, Gefechtsfahrzeuge oder Korvetten? Die Antwort gibt ein Vergleich. Wirtschaftlich und von der Mannschaftsstärke ihrer Streitkräfte her sind die USA und alle EU-Staaten etwa auf Augenhöhe. Doch von der militärischen Schlagkraft her liegen sie weit auseinander.

Es ergibt also mehr Sinn, wenn die Europäer ihr militärisches Gerät gemeinsam beschaffen. Das würde – wegen der entsprechend großen Aufträge – Europa erlauben, eine eigene Verteidigungsindustrie zu erhalten. Ein weiterer Vorteil: Größere Stückzahlen bedeuten de facto niedrigere Stückpreise, da sich hohe Entwicklungskosten schneller amortisieren. Die Steuerzahler erhielten also mehr Leistung für ihr Geld.

Frankreich, Großbritannien und Deutschland können nicht allein bestehen. Angesichts um sich greifender nationalistischer Tendenzen ist die Zusammenarbeit in Europa jedoch gefährdet. Deutschland und Frankreich haben dieses Risiko erkannt und sich im Aachener Vertrag darauf verständigt, einen bilateralen Verteidigungs- und Sicherheitsrat als politisches Steuerungsorgan einzurichten, um die Erarbeitung gemeinsamer Verteidigungsprogramme zu verstärken. So weit, so gut. Die Ankündigung allein genügt aber nicht. Wir brauchen nun eine entschlossene Umsetzung. Großbritannien als eine der zentralen europäischen Militärmächte muss in diesen Prozess einbezogen werden. Das ist im Interesse aller Europäer. Auch deshalb muss ein ungeordneter Brexit unbedingt vermieden werden. Ohne eine funktionierende rechtliche Grundlage ist eine wirtschaftliche Zusammenarbeit nicht möglich.

Dirk Hoke ist seit dem 1. April 2016 Chief Executive Officer (CEO) von Airbus Defence and Space

Dirk Hoke ist seit dem 1. April 2016 Chief Executive Officer (CEO) von Airbus Defence and Space

In der Vergangenheit hat Europa gezeigt, dass es Zusammenarbeit kann. Die Gründung und der Aufbau von Airbus seit den 70er Jahren war ein großer Erfolg für die zivile Luft- und Raumfahrt. Auch auf militärischem Gebiet hat Airbus Erfolge vorzuweisen. Dafür stehen – bei allen Problemen – der Eurofighter, das A400M-Transportflugzeug oder die Hubschrauber NH90 und Tiger. Diese Zusammenarbeit muss nun auf einer neuen Stufe fortgeführt und erweitert werden. Dazu muss Deutschland die im Aachener Vertrag beschlossene Einigung im Exportbereich zügig umsetzen. Die derzeitige deutsche Haltung in dieser sensitiven Frage ist für Frankreich, Spanien oder Großbritannien inakzeptabel und isoliert uns im europäischen Kontext, den wir aber eigentlich stärken sollten. Frankreich wird mit Deutschland keinen Nachfolger für den Eurofighter entwickeln wollen, wenn unser Land im Zweifelsfall dessen Export ablehnt. Hier muss Berlin sich bewegen.

Die Unternehmen stehen bereit. Ohne entsprechende Aufträge werden sie Forschungs- und Produktionskapazitäten aber nicht dauerhaft vorhalten können. Schwänden diese Kapazitäten, würde die europäische Wirtschaft Schaden nehmen, die nicht nur in hohem Maße von den Entwicklungen und als Zulieferer von den Verteidigungsunternehmen profitiert: Wenn wir die Sicherheit Europas aufs Spiel setzen, werden auch andere Branchen durch fremde Einflussnahme geschwächt. Wohin das führen kann, sieht man am derzeitigen Exodus zahlreicher Firmen aus Großbritannien hinaus.

Debattiert wurde das Thema Verteidigungskooperation genug. Die Sicherheitslage, der Zustand der Streitkräfte und die Verpflichtung, vernünftig mit dem Geld der Bürger umzugehen, erfordern es, die gemeinsame Anschaffung im Rüstungsbereich jetzt anzupacken. Sonst laufen wir Gefahr, dass andere bestimmen, wieviel Frieden, Freiheit und Wohlstand es in Europa gibt.

Zeigen wir als Deutsche in Europa also Entschlossenheit und Mut, um die dringende Aufgabe der gemeinsamen Verteidigung unseres Kontinents sicherzustellen, bevor es zu spät ist.

 

Stand: Feb 2019

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