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Sicherheit

Mut zur Verteidigung

von Dirk Hoke - CEO Airbus Defence and Space

Die geopolitischen Veränderungen zwingen die europäischen Staaten, ihr Verhältnis zueinander zu überdenken. Um Europas Frieden, Unabhängigkeit, Freiheit und wirtschaftlicher Wohlstand zu bewahren, müssen wir etwas dafür tun. Wir müssen nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch und militärisch stark genug sein, um zu verhindern, dass andere Mächte diktieren, wie wir in Europa leben.

Wir müssen uns also um unsere Verteidigung kümmern, auch, wenn diese Botschaft nicht populär ist. Nach dem Ende des Kalten Krieges haben die europäischen Staaten massiv abgerüstet. Heute fehlt es der Truppe an Personal, Waffensystemen, Ausrüstung. Nur noch 22 Prozent der Deutschen halten die Bundeswehr für ausreichend ausgestattet und einsatzfähig.

Moderne Verteidigungssysteme sind teuer, vor allem, wenn man sie selbst entwickelt, um nicht in Abhängigkeit anderer zu geraten. Die meisten europäischen Länder sind als einzelne Nationen damit überfordert.

Muss es aber wirklich sein, dass jedes Land eigene Waffensysteme entwickelt und beschafft? Braucht wirklich jeder EU-Staat seine eigenen Standardgewehre, Gefechtsfahrzeuge oder Korvetten? Die Antwort gibt ein Vergleich. Wirtschaftlich und von der Mannschaftsstärke ihrer Streitkräfte her sind die USA und alle EU-Staaten etwa auf Augenhöhe. Doch von der militärischen Schlagkraft her liegen sie weit auseinander.

Es ergibt also mehr Sinn, wenn die Europäer ihr militärisches Gerät gemeinsam beschaffen. Das würde – wegen der entsprechend großen Aufträge – Europa erlauben, eine eigene Verteidigungsindustrie zu erhalten. Ein weiterer Vorteil: Größere Stückzahlen bedeuten de facto niedrigere Stückpreise, da sich hohe Entwicklungskosten schneller amortisieren. Die Steuerzahler erhielten also mehr Leistung für ihr Geld.

Frankreich, Großbritannien und Deutschland können nicht allein bestehen. Angesichts um sich greifender nationalistischer Tendenzen ist die Zusammenarbeit in Europa jedoch gefährdet. Deutschland und Frankreich haben dieses Risiko erkannt und sich im Aachener Vertrag darauf verständigt, einen bilateralen Verteidigungs- und Sicherheitsrat als politisches Steuerungsorgan einzurichten, um die Erarbeitung gemeinsamer Verteidigungsprogramme zu verstärken. So weit, so gut. Die Ankündigung allein genügt aber nicht. Wir brauchen nun eine entschlossene Umsetzung. Großbritannien als eine der zentralen europäischen Militärmächte muss in diesen Prozess einbezogen werden. Das ist im Interesse aller Europäer. Auch deshalb muss ein ungeordneter Brexit unbedingt vermieden werden. Ohne eine funktionierende rechtliche Grundlage ist eine wirtschaftliche Zusammenarbeit nicht möglich.

Dirk Hoke ist seit dem 1. April 2016 Chief Executive Officer (CEO) von Airbus Defence and Space

Dirk Hoke ist seit dem 1. April 2016 Chief Executive Officer (CEO) von Airbus Defence and Space

In der Vergangenheit hat Europa gezeigt, dass es Zusammenarbeit kann. Die Gründung und der Aufbau von Airbus seit den 70er Jahren war ein großer Erfolg für die zivile Luft- und Raumfahrt. Auch auf militärischem Gebiet hat Airbus Erfolge vorzuweisen. Dafür stehen – bei allen Problemen – der Eurofighter, das A400M-Transportflugzeug oder die Hubschrauber NH90 und Tiger. Diese Zusammenarbeit muss nun auf einer neuen Stufe fortgeführt und erweitert werden. Dazu muss Deutschland die im Aachener Vertrag beschlossene Einigung im Exportbereich zügig umsetzen. Die derzeitige deutsche Haltung in dieser sensitiven Frage ist für Frankreich, Spanien oder Großbritannien inakzeptabel und isoliert uns im europäischen Kontext, den wir aber eigentlich stärken sollten. Frankreich wird mit Deutschland keinen Nachfolger für den Eurofighter entwickeln wollen, wenn unser Land im Zweifelsfall dessen Export ablehnt. Hier muss Berlin sich bewegen.

Die Unternehmen stehen bereit. Ohne entsprechende Aufträge werden sie Forschungs- und Produktionskapazitäten aber nicht dauerhaft vorhalten können. Schwänden diese Kapazitäten, würde die europäische Wirtschaft Schaden nehmen, die nicht nur in hohem Maße von den Entwicklungen und als Zulieferer von den Verteidigungsunternehmen profitiert: Wenn wir die Sicherheit Europas aufs Spiel setzen, werden auch andere Branchen durch fremde Einflussnahme geschwächt. Wohin das führen kann, sieht man am derzeitigen Exodus zahlreicher Firmen aus Großbritannien hinaus.

Debattiert wurde das Thema Verteidigungskooperation genug. Die Sicherheitslage, der Zustand der Streitkräfte und die Verpflichtung, vernünftig mit dem Geld der Bürger umzugehen, erfordern es, die gemeinsame Anschaffung im Rüstungsbereich jetzt anzupacken. Sonst laufen wir Gefahr, dass andere bestimmen, wieviel Frieden, Freiheit und Wohlstand es in Europa gibt.

Zeigen wir als Deutsche in Europa also Entschlossenheit und Mut, um die dringende Aufgabe der gemeinsamen Verteidigung unseres Kontinents sicherzustellen, bevor es zu spät ist.

 

Stand: Feb 2019

Mit FCAS die Zukunft der europäischen Industrie prägen

Deutschland und seine europäischen Partner – allen voran Frankreich – stehen vor wichtigen Richtungsentscheidungen für ihre Luftstreitkräfte. Die Nationen haben damit begonnen, Überlegungen bezüglich Beschaffungen zu konkretisieren und Anforderungen an künftige Luftüberlegenheitssysteme zu definieren. Die Entwicklung des Future Combat Air System (FCAS) wird Europas Technologieführerschaft und Souveränität in der Luftverteidigung über Jahrzehnte sichern. Nun gilt es, die politischen Weichen für den Erfolg des Projektes zu stellen.

Airbus und Dassault Aviation bündeln für FCAS ihre Kräfte

Das System der Systeme

FCAS ist weit mehr als ein Flugzeug. Es gilt als „System der Systeme“, das ein breites Spektrum von Einsatzmitteln koordiniert, die im intelligenten Verbund arbeiten: ein Kampfflugzeug der nächsten Generation, unbemannte Luftfahrzeuge mit mittlerer Flughöhe und großer Reichweite, existierende Flugzeugtypen sowie künftige Marschflugkörper und Drohnen-Schwärme. Das System kann zudem in ein größeres Einsatzszenario mit Missionsflugzeugen, Satelliten, NATO-Systemen sowie land- und seegestützten Kampfsystemen eingebunden werden. Es soll ab 2040 die derzeitige Generation der Kampfflugzeuge Eurofighter und Rafale ergänzen und schließlich komplett ersetzen. Die Beteiligung weiterer europäischer Verteidigungsunternehmen und Nationen wird in Betracht gezogen.

Schub für Hochtechnologie  

Als bedeutendstes Projekt der europäischen Verteidigungspolitik wird FCAS Europa befähigen, auch in Zukunft autonom zu handeln und gleichzeitig seine politischen und militärischen Beziehungen stärken. Mehr noch: Die ambitionierte Entwicklung derartiger Hochtechnologien im Rahmen von FCAS kann der europäischen Industrie dringend benötigte Impulse geben, die erfahrungsgemäß auch stark auf den zivilen Bereich abstrahlen werden. Darum wird erwartet, dass FCAS die Industrielandschaft in Deutschland und Frankreich in den kommenden Jahrzehnten entscheidend prägen und deren Wettbewerbsfähigkeit bei Hochtechnologien insgesamt steigern wird. Angesichts des ambitionierten Zeitplans ist es von entscheidender Bedeutung, dass Deutschland und Frankreich noch in diesem Jahr eine erste gemeinsame Studie erstellen.

Souveräne Technologieführerschaft sichern

Ein Vertrag über die Gesamtentwicklung von FCAS sollte unmittelbar an die Studie anschließen und den Bau von Demonstratoren zur Entwicklungsunterstützung ab 2025 umfassen. Aufgrund des engen Zeitplans, sollte umgehend mit der Erarbeitung einer gemeinsamen Roadmap begonnen werden, die aufzeigt, wie die noch zu definierenden Anforderungen und Terminvorgaben der beiden Nationen bestmöglich eingehalten werden können.

Airbus und Dassault haben im Rahmen der diesjährigen ILA ihre Absicht erklärt, bei der Entwicklung des FCAS zusammenzuarbeiten. Airbus und Dassault Aviation verfügen über das perfekte Know-how, um das FCAS-Projekt federführend zu betreiben“, erklärte dazu Dirk Hoke, CEO von Airbus Defence and Space. Mit der Unterzeichnung einer Absichtserklärung („letter of intent“) zwischen Deutschland und Frankreich am 19. Juni 2018 wurde ein wichtiges Etappenziel erreicht. FCAS ist nicht nur eines der herausragenden europäischen Industrie- und Verteidigungsprojekte der kommenden Jahre, sondern auch ein wichtiger Integrator auf dem Weg zu einer gemeinsamen europäischen Sicherheits- und Verteidigungsarchitektur. 

 

Stand: Juli 2018

 

NATO-Gipfel: Europa braucht eine starke Allianz

Eine starke und geeinte NATO ist im heutigen geopolitischen Umfeld von entscheidender Bedeutung. Der kommende NATO-Gipfel muss daher den Zusammenhalt der transatlantischen Allianz stärken. Gleichzeitig sollte die EU in der Verteidigung enger zusammenarbeiten.

Der NATO-Gipfel am 11.-12. Juli 2018 findet zu einer Zeit angespannter transatlantischer Beziehungen statt. Gerade dies hat verdeutlicht: Für die EU und die NATO ist es überlebenswichtig, geschlossen für gemeinsame Ziele einzutreten.


Das Ziel: transatlantische Spannungen abbauen

Der NATO-Gipfel 2018 sollte die Zusammenarbeit zwischen NATO und EU stärken und bestehende Spannungen abbauen. Ein strittiges Thema sind die Verteidigungsetats. Die europäischen Beiträge zu NATO-Missionen und -Einsätzen sind in den letzten vier Jahren gestiegen. Der NATO-Gipfel sollte diese Leistungen anerkennen und gleichzeitig weitere Schritte einfordern, damit jedes Land das gemeinsam vereinbarte Ziel erreicht, 2% seiner Wirtschaftskraft in die Verteidigung zu investieren.


Eine starke EU für eine starke NATO

Niemand gewinnt, wenn Bündnispartnern mit einem Handelskrieg gedroht wird. Allerdings unterstreichen diese Drohungen auch die dringende Notwendigkeit einer stärkeren Zusammenarbeit in Europa. Eine starke EU und eine starke NATO schließen sich nicht aus. Im Gegenteil: Eine engere Zusammenarbeit der EU-Mitgliedsstaaten in der Verteidigung stärkt die transatlantische Allianz.

In Europa beginnt sich diese Erkenntnis durchzusetzen. Vor kurzem hat die EU die gemeinsame Finanzierung bestimmter Verteidigungsausgaben vorgeschlagen – zum ersten Mal in ihrer Geschichte. Darüber hinaus haben neun EU-Staaten bereits einen Plan zur Einrichtung einer europäischen militärischen Eingreiftruppe konkretisiert. Die EU muss diese historischen Ankündigungen jetzt in die Tat umsetzen.

 

Royal Malaysian Air Force A400M first flight

Das Flugzeug A400M, konzipiert speziell für die harmonisierten Anforderungen der europäischen NATO-Staaten.

Zukunftsfähig durch neue Technologien

Eine starke und geeinte NATO ist im heutigen geopolitischen Umfeld unverzichtbar. Die Mitglieder müssen alles dafür tun, die Allianz vor Gefahren zu schützen. Darüber hinaus muss Europa die Mobilität seiner Streitkräfte erhöhen, die grenzüberschreitende Zusammenarbeit vertiefen und ausreichende Etats bereitstellen. Dann können EU und NATO gemeinsam ein effektiveres und effizienteres Verteidigungsnetzwerk schaffen, von dem alle Mitgliedsstaaten profitieren.

Zukunftsfähig wird die Allianz auch durch den Einsatz neuester Technologien. Der A400M trägt inzwischen bereits erheblich zur Verbesserung der Lufttransportfähigkeiten Europas beigetragen. Darüber hinaus hat Airbus die Ambition, seine Zusammenarbeit mit der NATO in den Bereichen Digitalisierung und Künstliche Intelligenz sowie bei anderen „disruptiven“ Technologien ausbauen.

Angesichts der geopolitischen Herausforderungen braucht die NATO starke Partner, angemessene Ressourcen und eine engere Kooperation der europäischen Mitglieder. Der kommende Gipfel bietet die beste Gelegenheit, diese drängenden strategischen Fragen anzugehen. Diese Chance sollte nicht vertan werden.

 

Stand: Juli 2018

 

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