easyJet, Airbus und Nicarnica Aviation bestätigen: Aschedetektor-Technologie AVOID besteht den finalen Praxistest

easyJet, Airbus und Nicarnica Aviation haben die letzte Testphase der Aschedetektor-Technologie AVOID (Airborne Volcanic Object Imaging Detector) erfolgreich abgeschlossen.

14 November 2013 Press Release

Flugzeuge, die zukünftig mit dem System ausgestattet werden, können Aschewolken frühzeitig identifizieren und diese umfliegen. Eine Airbus-Testmaschine verteilte in einer Höhe von 9.000 bis 11.000 Fuß (2.700 bis 3.300 Meter) eine Tonne isländischer Vulkanasche des 2010 ausgebrochenen Eyjafjallajökull in der Atmosphäre.

Die Asche wurde zuvor durch das Institute of Earth Sciences in Reykjavík eingesammelt und getrocknet. easyJet transportierte diese zu Airbus nach Toulouse. Neben dem Testflugzeug flog ein zweiter mit AVOID-Technologie ausgestatteter Airbus A340 auf die Aschewolke zu, identifizierte sie und maß ihre Dichte aus einer Entfernung von etwa 60 Kilometern. 

Während des Experiments kam auch ein Kleinflugzeug des Typs Diamond DA42 der Fachhochschule Düsseldorf zum Einsatz. Die DA42 flog in die Aschewolke, um Messungen vorzunehmen, welche die Ergebnisse des AVOID-Systems bestätigten.

Erfolgreich getestet

Die Wolke war zwischen 600 und 800 Fuß (180 bis 240 Meter) hoch und hatte einen Durchmesser von 2,8 Kilometern. Zu Beginn des Tests war die Asche noch mit dem bloßen Auge zu erkennen. Mit der Zeit löste sie sich jedoch auf, so dass es schwierig wurde, sie zu lokalisieren. Der AVOID-Sensor identifizierte die Wolke allerdings erfolgreich und maß ihre Dichte. Sie betrug zwischen 0,1 und 1 g m-2, was Konzentrationen von 100 bis 1.000 μ g m-3 entspricht. Werte dieser Spanne wurden im April und Mai 2010 während des Ausbruchs des Eyjafjallajökull gemessen.

„Bei dem Experiment konnte der AVOID-Sensor eindeutig geringe Aschekonzentrationen nachweisen“, sagt Dr. Fred Prata, Erfinder der AVOID-Technologie. „Aufgrund der künstlich erzeugten Aschewolke, der Steuerung von vier Flugzeugen und der Koordination der Messungen zweier Maschinen war der Testablauf komplex. Das erfolgreiche Ergebnis belegt den Einsatz und die Fähigkeiten der Ingenieure bei Airbus und easyJet. Außerdem ist es ein großartiges Beispiel dafür, wie sich Industrie und Wissenschaft zusammenfinden, um ein komplexes Problem zu lösen.“

„Seit der Gründung von Airbus vor mehr als 40 Jahren haben wir sowohl unabhängig, als auch in Zusammenarbeit mit anderen Organisationen viele Testprogramme unterstützt“, sagte Charles Champion, Airbus Exceutive Vice President, Head of Engineering. „Mit AVOID wollten wir beweisen, dass das Konzept eines Aschedetektors funktionieren kann. Als nächstes müssen wir alle gesammelten Daten analysieren. Wir befinden uns am Anfang einer Erfindung, die eine nützliche Lösung für den kommerziellen Flugverkehr werden und großräumige Einschränkungen durch  Vulkanasche verhindern kann.“

„Die Fachhochschule Düsseldorf verfügt über große Erfahrung in der Erforschung von Aschewolken“, ergänzte Professor Konradin Weber von der Fachhochschule Düsseldorf. „Während dieses Experiments haben wir direkt in einem Flugzeug Feldmessungen mithilfe laserbasierter Sensoren durchgeführt. Die Sensoren wurden an einer DA42 angebracht und kalibriert, um höchstmögliche Genauigkeit zu erreichen. Die gesammelten Aschemessdaten wurden daraufhin mithilfe eines Satelliten auf die A340 übertragen, welche mit AVOID ausgestattet war.“

Das AVOID-System im Detail

Das von Dr. Fred Prata entwickelte System ähnelt einem Wetterradar für Vulkanasche und basiert auf einer Infrarot-Technologie, die ans Flugzeug angepasst wurde, um Piloten und Kontrollzentren mit Bildern zu versorgen. Anhand der Bilder können Piloten eine Aschewolke aus bis zu 100 Kilometer Entfernung und auf Flughöhen von 5.000 bis 50.000 Fuß (1.500 bis 15.000 Metern) erkennen.

Das Umgehen von Aschewolken durch kleine Änderungen der Flugroute wird damit möglich. Am Boden können die Informationen der mit der AVOID-Technologie ausgestatteten Flugzeuge dazu genutzt werden, sich ein präzises Bild der Aschewolke durch Echtzeitdaten zu machen. Dies könnte große Teile des Luftraums öffnen, die sonst aufgrund eines Vulkanausbruchs gesperrt würden. Die geringere Anzahl an Unterbrechungen im Flugverkehr kommt den Passagieren zugute.

Umfangreiche Luftraumabsperrungen verhindern 

Auch heute stellen die isländischen Vulkane nach wie vor eine Bedrohung dar. Ian Davies, Engineering Director easyJet, freut sich daher sehr über das Ergebnis des Tests. „Das Experiment war ein voller Erfolg. Jetzt ist es wichtig, eine eigenständige Lösung zu finden, um Szenarien wie im Frühjahr 2010 zu verhindern. easyJet wird nun an einem nicht-integrierten, allein stehenden System arbeiten, mit dem wir bis Ende 2014 Teile unserer Flotte ausrüsten wollen.“

Aktuelle Bedrohung durch Hekla und Katla

Laut Magnús Tumi Gudmundsson vom Institute of Earth Sciences in Island ist die Gefahr eines weiteren isländischen Vulkanausbruchs hoch. „Im Durchschnitt kommt es einmal in fünf Jahren zu einem gefährlichen Vulkanausbruch“, so Gudmundsson. „Wenn der Wind aus Nordwesten weht, wird die Asche wie 2010 während des Ausbruchs des Eyjafjallajökull in Richtung Europa transportiert. Es ist Zufall, dass dies nicht auch zwischen 1970 und 2010 passiert ist. Angesichts der relativ langen Zeit, die seit den letzten Ausbrüchen der zwei aktivsten isländischen Vulkane Hekla und Katla vergangen ist, sollten wir damit rechnen, dass beide kurz vor einem Ausbruch stehen. Es ist unmöglich vorherzusagen, wann oder wo der nächste Ausbruch stattfindet. Sicher ist nur, dass es passieren wird.“

Die Auswirkungen des Vulkans Eyjafjallajökull

Vom 15. bis 21. April 2010 erlebte Europa eine beispiellose Sperrung des Luftraums. Während dieser Zeit wurden 80 Prozent weniger Flüge abgewickelt und insgesamt mehr als 100.000 Verbindungen gestrichen. Der Bruttoverlust der weltweiten Luftfahrtbranche, der sich aus der Blockierung ergab, wird auf mehr als 2,6 Milliarden US-Dollar geschätzt. Hochauflösendes Bildmaterial lassen wir Ihnen gern auf Anfrage zukommen.

Über Airbus

Airbus ist ein führender Flugzeughersteller mit der modernsten und umfassendsten Produktpalette auf dem Markt. Airbus-Flugzeuge decken die gesamte Kapazitätspalette von 100 bis zu weit über 500 Sitzen ab. Als Vorreiter für innovative Technologien bietet Airbus einige der sparsamsten und leisesten Flugzeuge der Welt. Airbus hat bis heute mehr als 13.300 Flugzeuge an rund 350 Kunden auf der ganzen Welt verkauft und seit Betriebsaufnahme des ersten Flugzeugs mehr als 8.000 Maschinen ausgeliefert. Das weltweit operierende Unternehmen verfügt über Konstruktions- und Fertigungsstandorte in Frankreich, Deutschland, Großbritannien und Spanien. Es ist mit Tochtergesellschaften in den USA, China, Japan und im Nahen Osten vertreten. Airbus mit Hauptsitz in Toulouse ist ein EADS-Unternehmen.

Über easyJet

easyJet ist Europas Flugnetz Nummer 1: easyJet ist führend auf Europas Top-100-Strecken und auf den 50 größten europäischen Flughäfen vertreten. easyJet fliegt auf mehr als 600 Strecken zwischen 130 Flughäfen in 30 Ländern. Über 300 Millionen Europäer wohnen weniger als eine Stunde Fahrzeit von einem easyJet Flughafen entfernt, mehr als bei jeder anderen Airline.

easyJet nimmt Nachhaltigkeit ernst. Die Airline investiert in die neueste Technologie, setzt auf einen effizienten Betrieb und fliegt mit einer hohen Sitzplatzauslastung. So verursacht ein easyJet Passagier 22 Prozent weniger Emissionen als ein Fluggast einer traditionellen Airline auf der gleichen Strecke.

Über Nicarnica

Nicarnica Aviation AS ist ein in Norwegen ansässiges Unternehmen, das sich auf Infrarot- und ferngesteuerte Ultraviolet-Messtechnologien spezialisiert hat. Das Unternehmen hat die weltweit ersten Luftsensoren für die Fernmessung von Vulkansche entwickelt. Das norwegische Unternehmen bietet zahlreiche Technologien für eine Reihe von Anwendungen für eine verbesserte Flughafensicherheit und -effizienz. Nicarnica Aviation AS wurde 2010 als Ableger des Norwegischen Instituts für Luftforschung (Norwegian Institute for Air Research, NILU) gegründet. Das relative junge  Unternehmen verfügt über ein qualifiziertes Team aus Wissenschaftlern und Ingenieuren. Die innovativen Technologien sind Ergebnis des Unternehmensfokus auf Forschung und Entwicklung. 

Über die Fachhochschule Düsseldorf

Das Labor für Umweltmesstechnik der Fachhochschule Düsseldorf verfügt über mehrere Jahre Erfahrung im Bereich Spektralmessung von Luftschadstoffen. Innerhalb der letzten Jahre setzte das Team seinen Forschungsschwerpunkt verstärkt auf verschiedene Vulkane auf der ganzen Welt.

Darüber hinaus ist das Team auf Vulkan-Forschungsflüge spezialisiert, bei denen leichte und robuste Kolbenflugmotor-Flugzeuge eingesetzt werden. Das Team ist sehr erfahren darin, selbst in erhöhten Aschewolke-Konzentrationen zu fliegen und verschiedene Messflüge während Ausbrüchen der Vulkane Eyjafjallajökull, Grimsvötn, Etna, Stromboli und Sakurajima durchzuführen.

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